Was ist eine Familienaufstellung und wie läuft sie ab?

Was ist eine Familienaufstellung und wie läuft sie ab?

Die Systemische Familienaufstellung (auch Systemaufstellung, Familienstellen oder Aufstellung) ist eine Methode aus der Familientherapie und wurde Ende der 60er Jahre in Amerika von Virginia Satir begründet. In Deutschland gehört Bert Hellinger zu den wohl bekanntesten Familienaufstellern. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Methode ständig weiterentwickelt.

Ein Aufstellungsseminar oder auch eine Einzelsitzung beginnt bei mir meist mit einer Phase von Vorübungen. Sie dienen dazu, den Alltag hinter sich zu lassen und ein Gespür für die aktuelle Wahrnehmung zu entwickeln. Es gibt Vorübungen für Gruppen und Vorübungen für Einzelsitzungen. Eine Aufstellung dauert ca. 90 min.

Die eigentliche Aufstellung des gewählten Systems beginnt damit, dass der Klient Thema und Ziel benennt: In welchen Bereichen belastet etwas, wo blockiert etwas, wo ist Not. Genauso wichtig ist die Zielvorgabe: Was soll nachher anders sein? Je besser ein Klient vorbereitet ist und eventuell belastende Ereignisse im Familiensystem kennt, desto klarer kann sich die Aufstellung entwickeln und zu einer guten Lösung führen.

Danach wählen Sie als Klient je einen Stellvertreter oder Gegenstand für sich selbst und die anderen Mitglieder des Systems aus, das Sie aufstellen möchten. Alle Stellvertreter werden von Ihnen intuitiv im Raum aufgestellt bzw. Gegenstände so platziert, so wie es Ihrem inneren Bild des Systems entspricht. Der Klient setzt sich und schaut sich alles von außen an.

Bereits an dieser Stelle lässt sich schon Einiges über die Beziehungen der Personen zueinander ablesen:

  • Wie stehen die Stellvertreter zueinander, dicht beisammen oder weit auseinander?
  • Wohin schauen die Personen? Schauen sie sich an, aneinander vorbei, auf den Boden oder die Ferne?
  • Wie sind ihre Körperhaltungen und ihr Gesichtsausdruck?

Die Personen in der Aufstellung werden nach ihren Gefühlen, ihrem Wohlbefinden und ihren Impulsen befragt. Je nachdem, welche Gegenstände für eine Einzelsitzung genutzt werden, über nehme ich als Aufstellungsleiterin die Aufgabe, mich ein zu fühlen. Das Einfühlen dient dazu herauszufinden, welche Informationen (Gefühle, Blockaden etc.) im gesamten System vorhanden sind, um sie anschauen, akzeptieren und verändern zu können.

Das Ziel des Klienten und ggf. wichtige Familienereignisse immer im Blick schlägt der Aufstellungsleiter nun lösende Sätze vor, die von den Stellvertretern auch abgelehnt oder umformuliert werden dürfen, bis sich die zu Beginn meist angespannte Situation, die der Klient mit Hilfe der Stellvertreter oder der Gegenstände visualisiert hat, entspannt. Solche Veränderungen gelingen oft durch Dankbarkeit, Vergebung oder Akzeptanz – manchmal auch schweigend.

Es wird so lange weitergearbeitet, bis alle im System befindlichen Personen zufrieden sind, sich gute fühlen oder zumindest einverstanden sind.

Am Ende tritt der Klient an die Stelle seines Stellvertreters kann das Lösungsbild so noch einmal als Beteiligter wahr- und aufnehmen. Dann sollte man die Aufstellung auf sich wirken lassen, ohne groß darüber nachzudenken. Idealerweise sollte man auch nicht darüber sprechen, um den Prozess nicht zu “zerreden”.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Stellvertreter meist nichts über die realen Personen, für die sie stehen, wissen. Sie spielen also keine “Theaterrolle”. Und doch gibt es eine Verbindung zwischen ihnen, die sich nicht wegdiskutieren lässt: Viele spüren physische oder psychische Leiden der realen Personen, obwohl sie sich noch nie im Leben begegnet sind. Sie nehmen manchmal eine für die reale Person typische Körperhaltung ein oder zeigen ähnliche Gestik oder Mimik auf. Vor allem empfinden und verbalisieren sie die Gefühle der realen Person. Dies ist ein verblüffendes Phänomen, das mich als Aufstellungsleiterin auch nach so vielen Jahren nach wie vor fasziniert und das wir bei allen Aufstellungen finden.